Transkript zu „VR im Sportunterricht: Fitness entwickeln mit Boxen im VR“

Hier finden Sie das Transkript zum Interview mit Patrick Groß von der Universität Stuttgart. Für die bessere Lesbarkeit wurden leichte sprachliche Glättungen vorgenommen.


Tamara Schilling: Herzlich willkommen zu unserer Mini-Interview-Reihe VR im Sportunterricht. Dieses Interview ist Teil einer kleinen Reihe auf unserem Portal schule-mal-digital.de. In drei Kurzinterviews stellen wir aus dem Verbundprojekt KuMuS-ProNeD Projekte vor, die innovative Unterrichts- aber auch Fortbildungskonzepte mit Virtual Reality in ganz unterschiedlichen Sportarten entwickeln. Ich bin Tamara Schilling vom Leibniz-Institut für Wissensmedien in Tübingen und in unserem zweiten Interview darf ich heute Patrick Groß begrüßen. Schön, dass Sie da sind.

Patrick Groß: Danke schön.

Tamara Schilling: Herr Groß, Sie sind akademischer Mitarbeiter an der Universität in Stuttgart und dort beschäftigen Sie sich vor allem mit dem Einsatz von Virtual Reallity im Bereich Fitness.

Patrick Groß: Wir beschäftigen uns tatsächlich mit Fitness bzw. mit dem Bereich Fitness entwickeln. Zumindest haben wir uns den genauer angeschaut. Wir behandeln den mit der VR-Brille. Wir sind auch mit der 360-Grad-Kamera im Unterricht. Dort haben wir aber einen anderen Fokus.

Tamara Schilling: Um nämlich einen gemeinsamen Nenner zu haben, können Sie ja kurz Ihr Projekt vorstellen, genau beschreiben, woran Sie arbeiten und warum eigentlich genau der Bereich Fitness.

Patrick Groß: Wir im Netzwerk Future Innovation Hub, das Teil dieses Projektes ist, beschäftigen uns ganz viel mit der Frage, welche neuen Medien, welche neuen Technologien, ermöglichen denn neue Möglichkeiten, um Sport, Bewegungen zu fördern. Ganz allgemein gesagt. Wir hatten uns mit der VR-Brille nun schon seit zwei Jahren beschäftigt. Und haben im ersten Schritt erst mal geschaut, welche Apps im Sportbereich, welche Simulationen gibt es in der VR-Welt und welche machen vielleicht sogar für den Sportunterricht Sinn diese einzusetzen und wenn ja wie. Wir haben dann das ganze Feld abgegrast, haben die Apps ausprobiert. Sind im zweiten Schritt dann dazu gegangen uns zu überlegen, welche dieser Apps, welche dieser Simulation in VR haben eine gewisse Passung, was die Bewegungsfelder betrifft. Wenn ich von Bewegungsfeldern spreche, spreche ich von den Bewegungsfeldern im Bildungsplan. Und da gehört sowas wie Spielen oder Fitness entwickeln oder Bewegen an Geräten. Und diese Bewegungsfelder, die sind eben mit unterschiedlichen Sportarten gespickt, die die Lehrkraft dann entsprechend je nach Jahrgangsstufe unterschiedlich ausgestaltet. Wir fanden den Bereich Fitness entwickeln ganz interessant, weil der laut neuem Bildungsplan integral oftmals unterrichtet wird. Das heißt, mit den einzelnen Sportarten verbunden wird und aber auch einen eigenen Bereich hat, in dem Fitness entwickelt werden soll. Gleichzeitig haben wir gemerkt oder festgestellt, aufgrund meiner Tätigkeit als Lehrkraft und im Austausch mit Kollegen, dass das Bewegungsfeld Kämpfen ebenso ein ganz besonderes ist, weil es im Sportunterricht nicht oft vorkommt. Es hat unterschiedliche Gründe, Lehrkräfte trauen sich da nicht so richtig ran, es birgt gewisse Gefahren. Mit diesem Vorwissen und mit dieser Kombination sind wir so ein bisschen durch die App-Landschaft und haben eben etwas gefunden, das sich im Bereich Fitnessboxen bewegt. Und haben eben im nächsten Schritt diese App, die wir da gefunden haben, mit Studierenden ausprobiert, haben sie dazu Fragen beantworten lassen. Wir haben geschaut, was es mit dem situativen Interesse, mit Motivation macht. Und sind dann im Anschluss mit Brillen, mit Studierenden und mit einer gewissen Unterrichtsidee, beziehungsweise einer kleinen Einheit, an die Schulen gegangen und haben es dort ausprobiert.

Tamara Schilling: Das klingt schon mal sehr spannend, wie Sie da hingekommen sind. Mich würde jetzt vielleicht im Detail interessieren. Sie haben es gesagt, Sie sind da mit einer Einheit in die Schule gegangen. Wie sah denn da der Einsatz von VR aus? Was hatten Sie sich da überlegt? Wie ist das denn gelaufen? 

Patrick Groß: Was uns aufgefallen ist bei dem Einsatz, dass grundsätzlich großes Interesse besteht, so eine Brille überhaupt mal auszuprobieren. An meiner Schule und auch an vielen anderen Schulen, wo wir es getestet haben, hatten die allermeisten Schüler noch nie so eine Brille auf, beziehungsweise auch nicht im privaten Gebrauch. Und dass das im Sportunterricht vorkommt, war ihnen jetzt auch nicht ganz klar. Früher war es die Wii, wo man mal ein bisschen Golf gespielt hat oder Tennis. Und da konnte man sich was darunter vorstellen. Warum wir das jetzt im Sportunterricht einsetzen, war vielen noch nicht so klar. Als wir dann den Unterricht durchgeführt haben, das war sowohl in einer meiner Klassen als auch von Kolleginnen und Kollegen, da sind uns mehrere Dinge aufgefallen. Und zwar einmal, dass die Neuheit dieser Geräte dazu führt, dass man erstmal eine Weile braucht, bis das Gerät gestartet ist, bis die Brille aufgesetzt ist, bis sie richtig sitzt. Bis Schülerinnen und Schüler erstmal wissen, wie navigiere ich denn in dieser virtuellen Realität, wie klicke ich denn auf die App, wie starte ich das und so weiter. Das heißt, man hatte so gewisse, ja, organisatorische oder zeitliche Anlaufschwierigkeiten. Die haben wir überbrückt im ersten Schritt mit ganz viel Manpower und Womenpower. Und haben aber gemerkt, als wir das das zweite Mal eingesetzt haben mit der gleichen Klasse, dass das schon viel schneller ging. Also der Lernprozess war ganz schnell so. Die Brille war schnell aufgesetzt, sie wussten direkt wie ich mich in der virtuellen Realität navigiere und konnten das dann eigentlich relativ schnell umsetzen.

Tamara Schilling: Das ist sehr spannend, also da das dann auch Dinge schon von der ersten zur zweiten Stunde zu sehen sind. Wie sah denn dann jetzt genau das aus? Was haben denn die SchülerInnen in diesen Anwendungen gemacht?

Patrick Groß: Wie sieht das Ganze aus? Also man befindet sich in einer virtuellen Realität oder einer Mixed Reality, in der Lichtkugeln auf einen zugeflogen kommen, die dann mit unterschiedlichsten Schlagtechniken geschlagen werden sollten. Also das heißt, im Boxen gibt es so Begriffe wie den Hook oder den Jab oder den Cross. Und diese Schlagtechniken haben wir im Vorfeld tatsächlich im Analogen schon besprochen und ein wenig eingeübt. Die sind nicht ganz blind in dieses Programm, sondern die haben eine gewisse Anleitung bekommen. Was heißt denn eigentlich, wenn ich einen Hook schlage oder einen Jab oder einen Cross? Und wie stehe ich denn eigentlich im Raum, wenn ich boxe? Also stehe ich schulterbreit? Stehe ich sehr eng? Oder stehe ich versetzt? Die Schüler sind anschließend dann in Zweiergruppen zusammen. Also es wurde immer Gruppenarbeit erledigt. Hat den Hintergrund, dass man sich gegenseitig unterstützen kann. Dass gewisse Risiken ausgeschlossen werden können, wenn man mal sich eben zu nah kommt. Und wenn man so eine Brille aufhatte, sieht man das nicht gleich. Und dann hatten wir das verbunden mit einer gewissen Aufgabe. Der Schüler, die Schülerin, die in der Beobachterrolle war, waren dann die Coaches. Also die haben dann sich angeschaut, wie sieht das mit dem Jab aus? Wie sieht das mit dem Hook aus? Und haben bewertet und aber auch Coaching-Tipps gegeben. Also während dieses Box-Trainings kamen dann, genau, Unterstützungsanweisungen. So von wegen, hey, du musst wieder versetzter stehen. Pass mal auf, deine Deckung. Nimm mal deine Arme wieder hoch. Die Person, die jetzt in der virtuellen Realität war, die hat die andere Person nicht gesehen. Man könnte dieses Problem in gewisser Weise umgehen, wenn man das Programm auf Mixed Reality schaltet. Das heißt, man hat einen gewissen Ausschnitt, aus dem dann eben die Formen, Lichtkugeln kommen und sieht trotzdem in seiner Umgebung noch seinen Partner.

Tamara Schilling: So aus Ihren ersten Erfahrungen, jetzt heraus, im Vergleich zum klassischen Unterricht, wo man das ja auch machen könnte, natürlich ohne die Lichtkugeln, aber die Bewegungsabläufe wären ja durchaus auch möglich. Welche Veränderungen brachte denn der Einsatz von VR jetzt für Sie mit?

Patrick Groß: Veränderungen in dem Sinne, dass wir festgestellt haben, dass es nochmal einen ganz anderen Zugang zu Sport bietet. Also, wenn ich das Gleiche jetzt machen wollen würde ohne die VR-Brille, dann wäre das im analogen Schattenboxen. Witzigerweise haben wir mal mit einer Vergleichsgruppe auch mal Schattenboxen gemacht. Da wurde schnell die Sinnfrage gestellt. Was ist denn jetzt der Sinn dabei, dass wir hier Schattenboxen machen? Also, warum gehen wir nicht ins Sparring und kämpfen gegeneinander? Die Frage war leicht beantwortet, weil es könnte gefährlich werden. Schattenboxen ist aber sehr wenig funktional. Da mögen mir jetzt wahrscheinlich die Boxer widersprechen. Die sehen ja sehr wohl eine Funktion. Aber für die Schule wurde da schnell die Sinnfrage gestellt. Und ich habe gemerkt, es ermöglicht nochmal ganz andere Zugänge. Also, wir hatten auf einmal Zugang zu dem Bereich Kämpfen, mit etwas ganz Neuem. Wir hatten Zugang zu dem Bereich Fitness entwickeln. Das war mal nicht wieder der klassische Fitnesszirkel. Oder ein Krafttraining in der Gruppe. Oder ein Calisthenics-Park, der aufgebaut wurde in der Halle. Diese Fitnesskomponente, da geht es ganz allgemein darum, dass das Herz-Kreislauf-System in Wallung kommt. Also ich würde sagen, fast oder ausschließlich alle Schüler und Schülerinnen haben zumindest mal einen Schweißtropfen auf der Stirn gehabt. Da kam dann auch der Puls in Wallung. Das war mal wieder was ganz Neues, mit einem ganz anderen Aufforderungscharakter. Also, diese Spiele sind ja so konzipiert, Stichwort Gamification, dass es einen gewissen Aufforderungscharakter gibt. Und der dafür sorgt, dass tatsächlich alle sehr involviert sind. Also, deswegen haben die auch geschwitzt. Also, dadurch, dass diese Lichtkugeln auf einen zugeflogen kommen, denkt man erstmal gar nicht daran, dass man jetzt da nicht draufschlägt. Weil das sehr funktional ist. Also, die kommen ja, also muss ich draufhauen. Und wenn die nicht kommen, wie beim Schattenboxen, dann kann ich mich auch mal entscheiden mich rauszunehmen. Also, wir haben gemerkt, neue Zugänge, es ist ein ganz anderer Aufforderungscharakter da durch die Gamification. Und Schüler, die vielleicht nicht sehr sportaffin sind, hatten durch die Technik bzw. die VR-Brille nochmal einen ganz anderen Zugang. Die waren... Die haben den Sprung zur Bewegung dadurch geschafft, dass sie sich dafür interessiert haben, wie das denn eigentlich funktioniert in der VR. Wie trackt die denn eigentlich meine Position? Und warum muss ich jetzt genau hier im virtuellen Raum stehen? Also, und trotzdem haben sie das Workout gemacht. Also nicht, ich bin sportinteressiert und jetzt haue ich da mal richtig drauf und will den Highscore knacken. Sondern, die waren interessiert daran, wie funktioniert das technisch und jetzt probiere ich das mal. Also, jetzt bin ich da in diesem Game drin und boxe mal eine Weile. Also, der Zugang war einfach nochmal ein anderer.

Tamara Schilling: Das sind ja schon mal sehr schöne Einblicke. Gerade auch, wie das auf die Lernenden wirkt. Wie kam es bei Lehrkräften an?

Patrick Groß: Wir hatten es an mehreren Partnerschulen eingesetzt und die Lehrkräfte dort waren durchweg interessiert. Und waren daran interessiert, mehr darüber zu erfahren, was man denn noch damit machen kann. Einige Beispiele gibt es jetzt bei euch in der Reihe. Also, das Interesse, wie kann ich die VR im Sportunterricht einsetzen? Wo sind denn die Vorteile dieser Technologie und wo vielleicht auch die Grenzen? Wo kann die VR-Brille etwas und wo nicht? Also, das Ausloten von Grenzen mit dieser Technologie, das war so eine Frage. Und dann aber auch, wenn ich das mal einsetzen will, darf ich das einsetzen? Also, das Interesse bekundet, auf uns zuzukommen und eben die Geräte auch mal auszuleihen. Und wir sind im Innovation Hub haben uns weniger die Gedanken gemacht, wie münzen wir das jetzt in ein Fortbildungskonzept um, sondern wie arbeiten wir direkt mit Lehrkräften zusammen, die wirklich daran interessiert sind. Und wir sind weiterhin daran, die einzelnen Lehrkräfte zu besuchen an den Schulen und Sachen auszuprobieren. Gemeinsam haben wir das auch schon gemacht mit Jörg Greiner, der war auch mal mit dabei, und hat seine Idee mitgebracht. Und so sind wir und so verstehen wir uns auch als Innovation Hub. Dinge auszuprobieren. Dinge mit Lehrkräften auszuloten. Grenzen und Potenziale festzustellen mit dieser Technologie. Und im Anschluss dann das in eine Fortbildung münzen zu lassen. Ich denke, das hat ganz viel damit zu tun, was kann die Technologie, wie setze ich die ein, wie schalte ich die an und wie komme ich an das Material.

Tamara Schilling: Möchten Sie vielleicht kurz mal beschreiben, wie denn diese Zusammenarbeit war mit den Lehrkräften, die Sie mit in den Prozess einbezogen haben?

Patrick Groß: Die Zusammenarbeit war sehr unkompliziert. Also mit Sportlehrkräften ist das immer sehr direkt. Durch mein persönliches Netzwerk und auch Lehrkräfte gerade im Sportbereich sind sehr gut vernetzt. Und da war es eher so, "Hey, ich habe gehört, dass ihr dieses und jenes macht und ich bin daran interessiert, wollt ihr nicht mal vorbeikommen?" Und so lief das ab.

Tamara Schilling: Schön zu hören, dass es auch mal unkompliziert einfach gehen kann. Zum Abschluss vielleicht, Sie haben schon gesagt, es gab Interesse von den Lehrkräften und das Ganze entwickelt sich ja auch weiter. Was wäre denn so Ihr Blick in die Zukunft von fünf bis zehn Jahren, wie sich denn der Sportunterricht, sei es mit VR oder generell, weiterentwickelt?

Patrick Groß: Wenn man zurückblickt, sieht man, dass sich der Sportunterricht immer weiterentwickelt. Also von den Sportarten über die hin zu Kompetenzen, die in Sportunterricht vermittelt werden sollen. Abgesehen von der Bewegungskompetenz, wird auch, glaube ich, die Digitalität Einzug finden. Und deswegen beschäftigen wir uns auch mit VR-Brillen und versuchen herauszufinden, wo bildet sich da die Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler ab und wie können wir das für unseren Sportunterricht nutzen. Wie ich schon gesagt habe, es gibt gewisse Limitationen, was die VR-Brille jetzt ganz konkret betrifft. Also aktuell ist es noch so, man bewegt sich reell auf zwei mal zwei Meter. Sport in den allermeisten Fällen ist räumlich viel, viel größer. Man hat Körperkontakt. Man kommuniziert, nicht nur verbal, sondern auch nonverbal. Da kommt auch mal so ein bisschen Rauferei dazu und ein bisschen Konflikt. Und das alles ist Sportunterricht. Und so fördert man auch gewisse Kompetenzen im sozialen Bereich, im personellen Bereich. Und uns ist aufgefallen, bis zu einem gewissen Grad ist der Einsatz sinnvoll. Und darüber hinaus gibt es aber Grenzen. Zum Beispiel für Brillenträger, Motion Sickness, sportaffine Schülerinnen und Schüler. Die machen tatsächlich Sport analog. Also die hatten bei dem zweiten, dritten, vierten Einsatz dieser Brille schon so ein bisschen so einen Abfall des Interesses einfach bekundet. Und was uns auch aufgefallen ist, eben diese Organisation vorweg. Also das müsste eben eins, zwei, dreimal eingesetzt werden, um auch die Schüler und Schülerinnen zum Experten dieser VR-Brille zu machen. Ich sehe aber auch ganz schön viele Potenziale, die diese Brille mitbringt. Also einerseits gibt es gute Simulationen. Ich glaube, Jörg Greiner hat schon einiges zum Tischtennis gesagt. Wie so eine Simulation Tischtennis für den Technikerwerb vielleicht auch hilfreich sein kann. Es gibt neue Zugänge für andere Bewegungsfelder, die nicht so gut oder anders bedient werden, wie Fitness entwickeln und Kämpfen. Nicht sportaffine Schülerinnen und Schüler haben eben einen ganz anderen Zugang vielleicht über die Technik und interessieren sich dafür. Es werden digitale Kompetenzen geschult. Schüler wissen auf einmal, wie man eine VR-Brille nicht nur einschaltet, sondern wie man sich auch in der virtuellen Realität bewegt und was man da alles machen kann. Dann kann es ganz viel helfen im Bereich selbst reguliertem Lernen. Also wir hatten jetzt diese Kombination von zwei Schülern, die sich unterstützen, die einen Arbeitsauftrag hatten, die sich gegenseitig gecoacht haben. Also da geht ganz viel Last von der Lehrkraft, die im Zentrum stand, erstmal weg und ganz viel Verantwortung geht an die Schülerinnen und Schüler. Und ich glaube schon, dass digitale Medien, wenn sie richtig eingesetzt werden, ganz gut eingebunden werden können in so selbst regulierte Lernprozesse. Und ein weiterer Aspekt, und der wird oft bei der Lehrkräfteausbildung diskutiert, sind inaktive, was macht man mit inaktiven Schülerinnen und Schülern? Setzt man die an die Seitenlinie auf die Bank? Oder kriegen die auch einen Arbeitsauftrag? Klar, es gibt auch analoge Arbeitsaufträge. Aber wäre es denn nicht cool, inaktiven Schülern einen Arbeitsauftrag in VR zu geben, wenn er sich entsprechend bewegen kann. Also genau, warum muss der beteiligungslos sein? Kann er nicht vielleicht einen Technikerwerb im Tischtennis nochmal trainieren? Oder könnte man dem Schüler nicht sagen, keine Ahnung, schau dir doch mal Golfen an, und ob das was für dich ist. Ich sehe da viele Möglichkeiten. Und ich glaube, dass VR-Brillen durchaus Potenziale haben, in Sportunterricht einbezogen zu werden. Dass Schulen im nächsten Schritt irgendwann mal, wie es damals bei den Tablets war, vielleicht einen VR-Koffer mit 50 Geräten irgendwie an den Schulen haben. Und die Fächer, fächerübergreifend erstmal schauen, wo sind denn die Möglichkeiten für mich. Von Geschichte kann man, Anne-Frank-Haus, bis hin zu Sport kann man jetzt Fitnessboxen machen. So kann jede Lehrkraft sich dann mal ein paar Brillen mitnehmen und das ausprobieren. Und für den Sport glaube ich, dass das auf jeden Fall punktuell Einzug erhält. Ich kann mir jetzt nicht vorstellen, dass die VR-Brille den analogen Sport ersetzt. Das wird es nicht tun. Aber punktuell für diese Möglichkeiten, die jetzt ihr auch in der Reihe irgendwie beschreibt, glaube ich schon.

Tamara Schilling: Ich danke ganz herzlich für das Gespräch und die Einblicke jetzt in Ihren Bereich im Sport, den Fitnessboxen. Und nochmals danke für Ihre Zeit. Und ich freue mich, wenn Sie beim nächsten Interview auch wieder mit reinhören.

Patrick Groß: Vielen Dank.


Dieses Transkript gehört zum Interview VR im Sportunterricht: Fitness entwickeln mit Boxen im VR.

Letzte Änderung: 29.12.2025