Adaptiver, digital-gestützter Unterricht: Ein Online-Selbstlernkurs mit Impulsen für die Unterrichtspraxis

17.08.2026 | Schulpraxis, Forschung

Digitale Medien – etwa Tools zur Lernstandsdiagnose oder intelligente tutorielle Systeme – können das schulische Lernen in heterogenen Settings auf vielfältige Weise unterstützen. Für den Lernerfolg ist allerdings eine didaktisch sinnvolle Einbindung in den Unterricht entscheidend. Ein vielsprechender Ansatz dafür ist das Prinzip des adaptiven Unterrichts. Richard Schulte (Universität Tübingen) und Dr. Ulrike Franke (RPTU Kaiserslautern-Landau) stellen dazu einen Online-Selbstlernkurs für Lehrkräfte vor.


Cover des Lerncomics zum Experimentieren, das mit Bitmoji und Dall-E gestaltet wurde
Richard Schulte (Universität Tübingen) und Dr. Ulrike Franke (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau)

Heterogene Lerngruppen gehören heute zum Unterrichtsalltag von Lehrkräften: Schülerinnen und Schüler unterscheiden sich im Vorwissen, ihren Interessen, ihrer Motivation und ihren Lernstrategien. Für Lehrkräfte stellt sich die Frage, wie Unterricht so gestaltet werden kann, dass alle Lernenden bestmöglich unterstützt werden. Genau hier setzt das Prinzip des adaptiven Unterrichtens an. Digitale Medien – etwa Tools zur Lernstandsdiagnose oder intelligente tutorielle Systeme, die auf Basis von Learning Analytics individuelle Lernpfade ermöglichen – können Lehrkräfte dabei unterstützen, adaptiven Unterricht praktikabel umzusetzen. Doch was genau zeichnet adaptiven Unterricht aus? Und wie lassen sich digitale Medien sinnvoll in seine Gestaltung einbinden?

Adaptiver Unterricht

Adaptiver Unterricht verfolgt das Ziel, Lernangebote an die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen einer Lerngruppe anzupassen. Grundlage hierfür ist eine kontinuierliche, lernprozessbegleitende Einschätzung der Lernstände sowie weiterer lernrelevanter Voraussetzungen, beispielsweise des Vorwissens, der Motivation oder der Interessen der Schülerinnen und Schüler. Im Modell des adaptiven Unterrichts bezeichnet man diese Phase als formative Diagnose. Auf Basis der formativen Diagnose finden sogenannte Makro- und Mikroadaptionen statt: Diese umfassen die gezielte Anpassung von Lernaufgaben und -materialien, weitere Unterstützungsangebote sowie lernförderliches Feedback, sodass möglichst alle Schülerinnen und Schüler erfolgreich lernen und gemeinsam Fortschritte erzielen können. Eine Zusammenführung der Lernstände im Anschluss an Gruppenarbeitsphasen dient dazu, einen gemeinsamen Wissensstand zu sichern. Hierin unterscheidet sich adaptiver Unterricht von anderen Differenzierungsmaßnahmen wie individualisiertem Unterricht, in dem die Lernstände in der Klasse mit der Zeit weiter divergieren können. Digitale Medien bieten im adaptiven Unterricht vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten – von der (automatisierten) Lernstandsdiagnose über die Erstellung und Bereitstellung differenzierter Lernmaterialien bis hin zu individualisiertem Feedback. Einen Überblick über grundlegende Konzepte und Forschungsergebnisse − kombiniert mit konkreten Anregungen für die adaptive Unterrichtsgestaltung mit digitalen Medien finden Sie in unserem im Jahr 2025 auf diesem Portal erschienen Beitrag „Adaptiver, digital gestützter Unterricht: Wie kann der Umgang mit Heterogenität im Klassenzimmer erfolgreich gestaltet werden?“

Online-Selbstlernkurs „Adaptiver digital-gestützter Unterricht“

Im Online-Selbstlernkurs „Adaptiver digital-gestützter Unterricht“, können Lehrkräfte die Grundlagen zur Umsetzung adaptiven Unterrichts mit digitalen Medien kennenlernen. Der Kurs, den wir gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Tübingen sowie des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) im Rahmen des Projekts MINT-ProNeD entwickelt haben, verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit praxisnahen Beispielen für den Unterricht.

Den Einstieg in den Kurs bildet ein Video, in dem Studienrätin Dr. Christine Plicht beschreibt, welchen Herausforderungen Lehrkräfte im Umgang mit heterogenen Lerngruppen im Unterricht begegnen. Anschließend führt der Online-Selbstlernkurs in die zentralen Prinzipien adaptiven Unterrichts ein und zeigt anhand konkreter Unterrichtsbeispiele, wie digitale Medien dessen Umsetzung unterstützen können. Dabei vermittelt der Kurs das Konzept des adaptiven Unterrichts nicht nur theoretisch, sondern setzt es auch selbst um: Nach einer kurzen Selbsteinschätzung erhalten die Teilnehmenden Empfehlungen für Kursinhalte und können diese so entsprechend ihrem Vorwissen und ihren Interessen vertiefen. Kurze Lernvideos – beispielsweise zum Modell des adaptiven Unterrichts, – Selbstreflexionen, Praxisbeispiele und weiterführende Materialien ermöglichen einen flexiblen und bedarfsorientierten Einstieg in das Thema des adaptiven, digital-gestützten Unterrichts.

Nutzung des Kurses und Einsatzszenarien

Sie sind neugierig auf den Kurs geworden und wollen ihn selbst ausprobieren oder in Ihre eigene Lehre einbinden?

Der Selbstlernkurs ist als Stand-Alone-Kurs konzipiert und kann unabhängig von Fortbildungen oder anderen Veranstaltung genutzt werden. Er ist über die Moodle-Plattform des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL) verfügbar: https://moodle.lehrerfortbildung-bw.de/course/view.php?id=5860. Um sich in den Kurs einzuschreiben, benötigen Sie (1) einen Account auf der Moodle-Plattform des ZSL, den Sie mit Ihrer Mailadresse selbst anlegen können, sowie (2) den Einschreibeschlüssel für den Moodle-Kurs, den wir Ihnen gerne per Mail zukommen lassen. Schicken Sie uns hierfür einfach eine formlose Anfrage an: info@tuecede.uni-tuebingen.de.

Wenn Sie in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung tätig sind, können Sie den Kurs auch in Ihre eigenen Lehrveranstaltungen oder Fortbildungen integrieren, indem sie entweder den Kurs im ZSL-Moodle nutzen oder den Kurs in die Moodle-Plattform Ihrer jeweiligen Einrichtung implementieren. Der Moodle-Kurs steht Ihnen hierfür als Open Educational Ressource unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zum Download über das Zentrale OER-Repositorium der Hochschulen in Baden-Württemberg (ZOERR) zur Verfügung.

Beteiligte Landesinstitutionen finden den Kurs auch über die ComPleTT-Plattform des Kompetenzverbund lernen:digital.

Wir freuen uns, wenn Sie den Kurs testen und/oder ihn in Ihren eigenen Veranstaltungen verwenden!

Außerdem sind wir jederzeit dankbar für Feedback und Anregungen zur Weiterentwicklung des Kurses – schreiben Sie uns hierzu gerne eine Mail an: info@tuecede.uni-tuebingen.de 

Gepostet von: t.schilling
Kategorie: Schulpraxis Forschung